
Ballade No. 1 - in Fis
Ein Konflikt zwischen hell und dunkel, angereichert mit allen Grau- und Farbtönen dazwischen.
Die Introduktion beginnt mit einer großen aufsteigenden und gleich wieder fallenden Oktavlaufgeste, changierend zwischen D-Dur und h-Moll, ob der Registertiefe und des gehaltenen Pedals nicht recht zu verorten. Der so dargestellte tiefe Schmerz intensiviert sich durch die Diminution der Notenwerte sowie die dynamische Steigerung, welche in einem großen dynamischen Kontrast und plötzlichen Lagenwechsel seinen Höhepunkt findet. In gesetzteren und gedeckten Akkorden folgt die kurze Reflektion der Erregtheit.
Unvermittelt beginnt das liebliche Thema des Andante in Fis-Dur, bei welchem sich die Melodie im Diskant mit der über Bass und Tenor weitgespannten Begleitung verquickt. Erst im piano, dann im mezzoforte und schließlich im fortissimo wiederholt sich das Thema, eine dreifache Steigerung, die sich auch in der Ornamentik der Melodie und der Aufweitung des Begleitarpeggios widerspiegelt.
Es folgt ein langer Mittelteil, beginnend in e-Moll. Über dem harmonischen Fundament in der linken Hand entwickeln sich zwei eigenständige Stimmen. Sich kontemplativ umkreisend finden sich beide Stimmen nach einer abrupten Weitführung in einem engen Gedränge. Der so entstandene Sog mündet in einer schnellen fieberhaften Sechzehntel-Bewegung in der rechten Hand. Über dem langsam dahinschreitenden Akkorden im Bass entfaltet sich somit ein zunehmend nervöser werdendes Flirren in der Oberstimme.
Die in Triolen auslaufenden Achtel in der rechten Hand schaffen Raum für ein neues Motiv im Bass. Diatonisch absteigend von der Quinte etabliert sich ein Fünftonmotiv in dis-Moll. Im weiteren Verlauf verkürzt sich dieses auf vier Töne, indem der Grundton weggelassen wird. Zusammen mit den immer wiederkehrenden Melodiekaskaden schraubt sich der Teil stark modellierend nach dem deutlich helleren E-Dur. Doch auch diese Eindrücke sind nur von kurzer Dauer. Ein kurzes, mahnendes Intermezzo leitet den nächsten Abschnitt, erneut in e-Moll, ein. Es folgt der Rückgriff auf das allererste Thema, nun jedoch scheinen alle Anklänge von Lieblichkeit verflogen. Mit Oktaven erklingt es kraftvoll und wild im Bass während sich darüber Klangmassen bedrohlich auftürmen um so gleich wieder herabzustürzen. Seinen Höhepunkt nimmt das Treiben in einer choralartigen Kadenz. Das bisherige Metrum brechend, sich auf den Orgelpunkt “e“ im Bass stützend entfaltet es einerseits eine intensivierende und andererseits verarbeitende Wirkung.
Der letzte Teil vor dem Finale bricht an. In der Bassstimme erfolgt eine Fortspinnung des Eingangsthemas sowohl auf motivische als auch harmonische Weise. Somit bewegt sich das Thema graduell durch alle Lagen, bis es schließlich in gewohnter Manier in der ursprünglichen Lage und Tonart Fis-Dur ankommt. Lieblich verspielt im Piano endet der Teil.
Abrupt setzt das Appasionato mit voller Wucht ein. Das anfängliche Thema wird erneut aufgegriffen, jedoch im Superlativ, in Form eines ausstaffierten Oktavtremolos. Im brillanten Stil wird das Thema fortgesponnen bis zur völligen Ekstase. Eingeleitet von abgesetzten Akkorden kommt es zu einem letzten Aufbäumen, welches in überschwänglichen Akkordbrechungen in Fis-Dur seinen fulminanten Schluss findet.
Das Stück für Klavier entstand im Jahr 2020.