Ballade No. 2 - in C

Live-Mitschnitt der Ballade No. 2 in C des Konzertes im C. Bechstein Centrum Dresden im Oktober 2024.
Am Klavier: Iva Zurbo
Gesamtdauer: 13:19 min


Ein Balanceakt über 13 Minuten.

Die Ballade No. 2 in C-Dur ist ein Kraftakt und Genuss gleichermaßen - sowohl für den Spieler als auch für den Hörer. Das Stück ist streng nach einer A-B-C-B-A Form aufgebaut, welches sich gleichsam symmetrisch entlang der Tonarten C-Dur, B-Dur, F-Dur, B-Dur und erneut C-Dur hangelt.

Nach einer kurzen Introduktion, die die Grundtonart C-Dur umspielt und den Grundpuls eines Dreivierteltaktes schnell aufzulösen vermag, wird das Hauptthema des A-Teiles vorgestellt. Ein feuriges und gleichzeitig offen klingendes Thema, das sich durch seine zwei dicht verwobenen Stimmen auszeichnet, welche sich ständig umspielen, in die Tiefe stürzen und gleichzeitig über der vier gegen drei Begleitfigur in der linken Hand einen intensiven Drive entwickeln, der teils an mitreißende Jazzpassagen zu erinnern vermag.
Im Verlauf des A-Teils wechseln sich Gedanken im Dreier- und Vierertakt ab, welche akkumuliert in kurzen, sich haschenden Akkordschlägen zwischen links und rechts als Höhepunkt münden.

Nahtlos geht es mit kraftvollen Klängen in den B-Teil über, ein Walzer, der den A-Teil elegant komplementiert. Das viertaktige Walzerthema erreicht die neue Grundtonart B-Dur durch eine aufsteigende Akkordbewegung gestützt von durchlaufenden Oktavachtel-Bewegungen in der linken Hand, welche von einer melodisch absteigenden Linie durch Quintolen ornamentiert harmonisch die Oberquinte erreicht. Nach einer kurzen Wendung nach g-Moll sowie dem erneuten Erklingen des Walzerthemas folgt nun die augmentierte Fassung des selbigen in einer eher heroisch anmutenden Form. Die thematische Fortspinnung mündet in einer Stretta, welche durch eine komplexere und harmonisch dichtere Struktur das Thema zu einem hellen Zwischenschluss führt.

Die beiden exzentrischen Rahmensätze werden durch den langsamen Mittelteil zusammengehalten, welcher gleichsam den Ruhepol des Stückes bildet. Noch in den Zwischenschluss hinein erklingt der Auftakt des nun folgenden Adagio con spirito mit seinem Fünftakt-Motiv. Die Szene wird durch den Rezitationston “a“ gesetzt, welcher über der sich in der linken Hand entfaltenden melodischen Linie Ruhe zu verbreiten sucht. Doch diese Intention wird schnell unterbunden durch den melodischen Ausbruch in der rechten Hand, welcher einen Rückgriff auf das Achtelmotiv mit Oktavsprung aus dem Nachsatz des Hauptthemas aus dem A-Teil darstellt. Der Mittelteil selbst in einer A-B-A Form angelegt, beginnt im A-Teil die Möglichkeiten des Fünftakt-Motives auszuloten, während der B-Teil aus einer abgewandelten Motivik heraus und mit einer drei gegen vier Bewegung der Stimmen den Hörer in einen dreistimmigen Dialog führt, welcher einen seltsam dunkel gefärbten Glanz entfaltet. Nach dem erneuten Erklingen des A-Teils kehrt das Stück zu den kraftvollen Klängen des Walzers zurück, dem Aufwachen aus einem Traume gleich.

Die Aussagen des Walzers nun von einem neuen Lichte beschienen, erscheinen noch kraftvoller und münden erneut nach der Stretta in einem nun furiosen Glanzpunkt, welcher zugleich die größte Erregtheit des Stückes darstellt. Durch eine wellenartige Motivik strebt der Höhepunkt final auf das Thema des A-Teils zu. Das erneute Durchwandern dieses Teil mündet in einem strahlenden Ausklang.

Das Stück für Klavier entstand im Frühjahr und Sommer 2023.

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