Ballade No. 2 in C

Live-Aufnahme der Uraufführung
C. Bechstein Centrum Dresden · Oktober 2024

Klavier: Iva Zurbo
Dauer: 13:19 min


Ballade in C, op. 2 No. 2
Jonathan Helbig / Iva Zurbo

Die Ballade No. 2 in C aus dem Zyklus Vier Balladen op. 2 erkundet die Harmonie als Form-gebende Kraft. Aus einer symmetrischen Anlage entfaltet sich ein Werk voller Kontraste – von mitreißender Energie über tänzerische Eleganz bis zu nachdenklicher Ruhe.

Die Ballade No. 2 in C-Dur ist ein Kraftakt und Genuss gleichermaßen – sowohl für den Spieler als auch für den Hörer.

Das Stück ist streng symmetrisch in einer A-B-C-B-A Form angelegt, wobei die Harmonie als Form-gebendes Element dient. Entsprechend hangeln sich die einzelnen Teile entlang der Tonarten C-Dur, B-Dur, F-Dur, B-Dur und erneut C-Dur.

Nach einer kurzen Introduktion, die die Grundtonart C-Dur umspielt und den Grundpuls eines Dreivierteltaktes schnell aufzulösen vermag, wird das Hauptthema des A-Teils vorgestellt. Ein feuriges und gleichzeitig offen klingendes Thema, das sich durch seine zwei dicht verwobenen Stimmen auszeichnet. Diese umspielen sich gegenseitig, stürzen in die Tiefe und entwickeln gleichzeitig in der linken Hand einen intensiven Drive durch die vier gegen drei Begleitfigur, welche teils an mitreißende Jazzpassagen zu erinnern vermag.

Im Verlauf des A-Teils wechseln sich Gedanken im Dreier- und Vierertakt ab, welche akkumuliert in kur-zen, sich haschenden Akkordschlägen zwischen links und rechts als Höhepunkt münden.

Nahtlos geht es mit kraftvollen Klängen in den B-Teil über – ein Walzer, der den A-Teil elegant komplementiert. Das viertaktige Walzerthema erreicht die neue Grundtonart B-Dur durch eine aufsteigende Akkordbewegung gestützt von durchlaufenden Oktavachteln in der linken Hand, welche von einer melodisch ab-steigenden Linie durch Quintolen ornamentiert harmonisch die Oberquinte erreichen. Nach einer kurzen Wendung in g-Moll sowie dem erneuten Erklingen des Walzerthemas folgt nun die augmentierte Fas-sung desselbigen in einer eher heroisch anmutenden Form. Die thematische Fortspinnung mündet in einer Stretta, welche durch eine komplexere und harmonisch dichtere Struktur das Thema zu einem hellen Zwischenschluss führt.

Die beiden exzentrischen Rahmensätze werden durch den langsamen Mittelteil zusammengehalten, welcher gleichsam den Ruhepol des Stückes bildet. Noch in den Zwischenschluss hinein erklingt der Auftakt des nun folgenden Adagio con spirito mit seinem Fünftakt-Motiv. Die Szene wird um den Rezitationston “a“ gesetzt, welcher über der sich in der linken Hand entfaltenden melodischen Linie Ruhe zu verbreiten sucht. Doch diese Intention wird schnell unterbunden durch den melodischen Ausbruch in der rechten Hand, welcher einen Rückgriff auf das Achtelmotiv mit Oktavsprung aus dem Nachsatz des Hauptthemas aus dem A-Teil darstellt. Der Mittelteil selbst in einer a-b-a Form angelegt, beginnt im a-Abschnitt die Möglichkeiten des Fünftakt-Motives auszuloten, während der b-Abschnitt aus einer abgewandelten Motivik heraus und mit einer drei gegen vier Bewegung der Stimmen den Hörer in einen dreistimmigen Dialog führt. Ein seltsam dunkel gefärbter Glanz entfaltet sich. Nach dem erneuten Erklingen des a-Abschnitts kehrt das Stück zu den kraftvollen Klängen des Walzers zurück, dem Aufwachen aus einem Traume gleichend.

Die Aussage des Walzers, nun von einem neuen Lichte beschienen, tritt noch kraftvoller hervor und mündet erneut nach der Stretta in einem furiosen Glanz-punkt, welcher zugleich die größte Erregtheit des Stückes darstellt. Durch eine wellenartige Motivik strebt der Höhepunkt final auf das Thema des A-Teils zu. Das erneute Durchwandern dieses Teils mündet in einem strahlenden Ausklang.

Das Stück für Klavier entstand im Frühjahr und Sommer 2023.

Zurück
Zurück

"Ballade No. 1 in Fis"

Weiter
Weiter

"Ballade No. 3 in D"