
„Jonathan Helbig schafft es auf eine besondere und geschickte Art und Weise sich an den gleichnamigen Zyklus Robert Schumanns anzulehnen, ihn nicht zu imitieren sondern die Idee die dahinter steht neu zu zeichnen.“
Kinderszenen
Aufnahme der Kinderszenen im Fürstenhaus Weimar im Juni 2023.
Am Klavier: Iva Zurbo
Gesamtdauer: 21:50 min
„Ein ganz neues Werk, wunderbare Musik, die ich mit meiner Studentin Iva Zurbo erarbeiten durfte. Dies hat mir großen Spaß gemacht, hat mir sehr gefallen, gerade da man immer wieder neue Sachen entdeckt.
Ich hoffe, dass das Stück sehr oft gespielt werden wird.“
Ein Blick auf oder aus dem unbeschwerten Leben? Schon Robert Schumanns gleichnamiger Zyklus lässt die Frage der Perspektive in seiner Musik (bewusst) offen. Das Sujet jedoch lässt vermuten, dass es sich eher um eine Reflexion, einen teils verklärenden Rückblick auf die Kindheit handeln muss. So auch in meinem Zyklus Kinderszenen.
Der vorliegende Zyklus will der großen Poesie Robert Schumanns nacheifern. Unverkennbar ist die Referenz im Aufbau des Zyklus mit seinen 13 kleinen Charakterstücken, wobei jedes für sich genommen einem romantischen Ideal nachspürt. Die Rahmensätze “Von fremden Ländern und Menschen” sowie “Der Dichter spricht” gelten in ihrer Form, Tonsprache und Bedeutung als direkte Hommage an Robert Schumann.
Die mittleren Stücke führen entlang vielseitiger Szenen, die in ihrer Tonsprache eigen, jedoch in stetem Bewusstsein der Referenz und ihrer Aussage verfasst wurden. Die Reise führt nach einer in die Ferne schweifenden Eröffnung in die heimische Stube mit vertrauten kindlichen Szenen wie “Auf dem Schaukelpferd”, “Hasche-Mann” oder “Curiose Geschichte”.
Die Szenen der ersten Hälfte dieses Zyklus handeln verstärkt in der äußeren, sichtbaren Welt, bis schließlich das zentrale Element “Des Träumers Traum” erreicht wird. Eine Tagträumerei als Rahmensatz, welcher den eigentlich geträumten Traum fasst. Dieses Stück stellt das Bindeglied zwischen dem nach außen gewandten Blick und dem nach innen gerichteten Blick dar.
Die zweite Hälfte des Zyklus vertieft sich nun Szene um Szene in die Welt des Inneren, welche sich gleichsam der äußeren Welt durch eine Vielzahl an Facetten auszeichnet. Seien es die hellen Seiten wie in “Ballerina auf Spieldose tanzend” oder die eher düsteren Seiten wie in “Nächtliche Fantasterei”.
Den Schluss bildet das Stück “Der Dichter spricht”, in welchem aus einer höheren Perspektive das Erlebte reflektiert und neu geordnet wird, mystisch entschwindend ins Licht.
Der Zyklus für Klavier entstand im Jahr 2022.
“Auf dem Schaukelpferd” - Schluss.
*Professor für Klavier an der HfM Weimar