Ballade No. 3 in D

Live-Aufnahme der Uraufführung
Grieg-Begegnungsstätte Leipzig · Juni 2025

Klavier: Aleksandra Świgut
Dauer: 11:27 min

Ballade in D, op. 2 No. 3
Jonathan Helbig / Aleksandra Świgut

Die Ballade No. 3 in D aus dem Zyklus Vier Balladen op. 2 untersucht die Form-gebende Kraft des Rhythmus. Aus einem einzigen rhythmischen Gedanken entfalten sich unterschiedliche Charaktere, Stimmungen und Klangräume.

Die Ballade No. 3 in D-Dur greift auf die Kraft des Rhythmus als Form-gebendes Element zurück. Von allen drei musikalischen Grundelementen Rhythmus, Harmonie und Melodie ist der Rhythmus sicherlich das ursprünglichste, das Puls-gebende, wenn nicht sogar das Lebens-spendende Element.

Im Anfang war der Rhythmus.
Hans von Bülow

Getreu dieses Mottos von Hans von Bülow ist die Ballade No. 3 in D entworfen. Sie beleuchtet die unterschiedlichen Facetten der Variation eines rhythmischen Motivs. Augmentierung, Diminuierung und Invertierung des-selben rhythmischen Motivs evozieren somit ganz eigene charakterliche Teile.

Eröffnend mit einem großen Doppeloktavlauf in D stürzt sich das Stück direkt in das Form-gebende rhythmische Motiv (T5&6). Eine Verkürzung der aufeinander folgenden Notenwerte von Viertel, punktierter Achtel, Sechzehntel, Achtel, Sechzehntel liefert somit die Grundlage für das markante und kraftvolle Thema des ersten Teils. Melodisch abwärts iterierend schiebt sich das Motiv energisch voran. Nahtlos geht es in ein stärker lyrisch geprägtes Andante über. Doch die Lieblichkeit ist nur von kurzer Dauer. Ein Duett aus zwei in Sechzehnteln geführten Stimmen drängt nach oben, um sich dann erneut in das Anfangsmotiv zu stürzen. Eine Kadenz in A untermauert das rhythmische Motiv in breiter und unmissverständlicher, akkordischer Art. Ein letzter triolischer Aufgang lässt den ersten Teil in einfacher Weise ausklingen.

Der zweite Teil, in fis-Moll, entwickelt sich über dem aus Teil I augmentierten Motiv im Bass. Große Sechzehntelbögen – wie Striche in die Landschaft gesetzt – entfalten die eher düstere Stimmung. Ein breiter Akkord in Fis-Dur eröffnet den Choral „Brich an du schönes Morgenlicht“ und versucht damit die Nacht zu durchbrechen. Erst die Wiederholung des Choralthemas und die Ausgestaltung mit vollen Sechzehntelketten in der linken Hand scheint die Einwürfe der dunklen Nacht zu verdrängen. Doch das Aufklaren ist nur von kurzer Dauer. Es erfolgt der Rückgriff auf den Anfangsteil, dessen Kadenz nun doch die erhoffte Auflösung unter Zuhilfenahme der picardischen Terz gewinnt.

Der dritte Teil beginnt unvermittelt mit einer explosiv-artigen Geste, welche sich aus der rhythmischen Diminuierung des Ausgangsmotivs ergibt. Mit akkuraten Akkordschlägen baut sich langsam das Thema dieses dritten Teils auf, welches in einer abwärts ge-richteten Melodielinie von a‘‘ bis a‘ mündet. Auf dem Rhythmus des Originalmotivs fußend, ergeben sich durch die triolische Anlage dieser Melodie gleichzeitig Anklänge eines Walzers. Ein Interruptus tritt ein – gleich einem lauten Rufe scheint man für wenige Au-genblicke in eine andere Szenerie versetzt zu sein, bevor der Walzer weiter Fahrt aufnimmt. Aus Triolen werden breite taktumspannende Sechstolen, bis sich diese schließlich halbtaktisch verkürzen und somit die Metrik des Zweivierteltakts mit Hilfe langer Melodie-bögen verwischen. Erneut umspielen sich zwei Stimmen, welche auf den halbtaktigen Schlägen gestützt dahingleiten. Breiter werdend verdichtet sich die harmonische Progression, bis ein großer Sechstlauf gefolgt von einem kurzatmigen Aufschwung den Teil abrupt enden lässt.

Nahtlos folgt der vierte Teil. Als Komplementärteil zu dem dritten fundiert dieser auf der rhythmischen Invertierung des Originalmotivs und leitet somit den dynamischen letzten Teil ein. Erneut erklingt das Thema des dritten Teils gefolgt von dem bereits be-kannten Interruptus. Diesmal jedoch wird dieser zum Hauptakteur. Im dritten Teil noch etwas fremd, entfaltet sich nun eine sich sehnende melodische Linie ergänzt durch große Fiorituren in der linken Hand. Munter moduliert das Stück auf diese Struktur gestützt nach e-Moll. Der erneute Rückblick auf das Thema des dritten Teils sowie ein Schwirren der Stimmen in der linken Hand läuten das Finale ein. Rhythmisch verdichtete Akzente fordern ein letztes Mal das Thema des dritten Teils, bevor es sich in einem wilden Reigen aus Motivwürfen und rhythmischen Verschiebungen zum Höhepunkt in Form des anfänglichen Doppeloktavlaufes steigert. Ein kurzes Innehalten scheint die Spannung jedoch nur zu be-feuern. Ein letztes Aufbäumen lässt das Stück mit einem Paukenschlag enden.

Das Stück für Klavier entstand im Winter 2023 und Frühjahr 2024.

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