
Nocturne No.1 in D
Nocturne, zu Deutsch Nachtstück - ein Genre, das oftmals mit den feinsinnigen und teils sentimentalen gleichnamigen Werken Chopins assoziiert wird.
Selbiger Feinsinnigkeit spürt dieses Werk nach, welches sich durch subtile Änderungen der Szenen sowie eine im Zwielicht erscheinenden Stimmung auszeichnet.
Das Werk gliedert sich streng nach einer A-A’-B-A’’ Form. Das Thema wird getragen von einer langen cantablen Melodie, die durch einen übermäßigen Dreiklang über dem Ton “d“ das tonale Zentrum anfangs zu verschleiern mag und eine zwielichtige Stimmung verbreitet. Nach einem kurzen Interruptus wiederholt sich der Teil, jetzt jedoch in einem neuen Licht scheinend. Vorgetragen in einem pianissimo nährt sich der Teil einem anderen Schwerpunkt, gestützt durch rhythmische Ausschmückungen.
Der Mittelteil stützt sich auf die gleichen durchlaufenden Achtelbewegungen in der linken Hand. Harmonisch herrscht nun Zwiespalt zwischen fis-Moll und Fis-Dur bis in der zweiten Hälfte des Mittelteils nun eindeutig D-Dur, erstmals in voller Pracht erblühend, den Höhepunkt bildet.
Es folgt erneut Teil A, durch das Zelebrieren von D-Dur im Mittelteil nun gestärkt hervortretend aus selbigem. Kein Zweifel mehr hegend, aller anfangs gestreuten Zwielichtigkeit trotzend, wird das Thema stark gebunden im Forte wiedergegeben. Äußerst verzierte Figuren in der rechten Hand stützen sich auf die unveränderten Figuren aus dem Anfangsteil in der linken Hand. Die abschließende Coda vermag die Spannung des eingangs gesetzten übermäßigen Dreiklangs endgültig nach D-Dur aufzulösen.
Das Stück für Klavier entstand im Jahr 2020.
Live-Mitschnitt des Nocturne op. 3 No.1 aus dem Konzert im März 2024 in der Grieg-Begegnungsstätte Leipzig.
Am Klavier: Iva Zurbo
Gesamtdauer: 06:16min
Nocturne No.2 in C
Nocturne, ein Nachtstück in verklärender Stimmung?
Nun - dieses Genre gibt es zuhauf und es hat auch zurecht seine Liebhaber.
Dieses Nocturne in C beleuchtet hingegen die eher aufwühlenden Seiten der nächtlichen Stimmung. Das unruhige Getrieben-Sein, welches einem den Schlaf zu rauben scheint.
Mit einer spannungsgeladenen Akkordauftürmung wird die Szenerie gesetzt.
Nach einer kurzen Einführung in a-Moll kreist das Stück durch alle C-Dur nahen Tonarten ohne jedoch die namensgebende Tonart zu erreichen. Die geheimnisvolle Stimmung wird getragen von einer lyrischen Linie, die zielstrebig auf den Mittelteil zusteuert.
Ein Charakterwechsel tritt ein. Noch eben verträumt umherirrend läutet nun ein rhythmisch prägnanter aus der Tiefe aufsteigender Oktavlauf, wiederum in a-Moll, den Mittelteil ein. Gefolgt von einer sich aufwärts-windenden Treppe erfolgt der nächste Annährungsversuch in Richtung C-Dur. Doch auch dieses Unterfangen ist von kurzer Dauer.
Geprägt von abrupten Wechseln und sich wiederholenden Themenköpfen erfolgt abermals das Zustreben auf die Zieltonart C-Dur. Nach einer längeren Modulation durch harmonisch a-Moll und den Rückgriff auf das Ausgangsthema erfolgt am Ende der Reprise endlich ein Lichtblick in C.
Den Abschluss bildet die Coda, welche in einem weniger dichten und weniger erregtem Voranschreiten gleichsam Rückblick als auch Ankommen darstellt.
Am Ende der Coda erfolgt das erneute Aufgreifen des Themas im zurückgenommenen Tempo bis schließlich das Thema durch eine aufsteigende Linie final nach C-Dur entschwindet.
Das Stück für Klavier entstand im Frühjahr 2023.
Live-Mitschnitt des Nocturne op. 3 No.2 aus dem Konzert im März 2024 in der Grieg-Begegnungsstätte Leipzig.
Am Klavier: Iva Zurbo
Gesamtdauer: 03:53min
Nocturne No.3 in D
A—Es—A&Es>D, damit könnte alles gesagt sein.
Eine Wanderung im Mondschein, das silberne Licht widerspiegelnd im seichten Wasser - so ließe sich die Szenerie des Anfangs des Nocturne No.3 in D beschreiben. Ruhe ausstrahlend und gleichzeitig mysteriös etabliert sich im Eingangsteil über einem Ostinato-Bass eine Phrase, die eher suchend wirkt.
Unerwartet führt eine größere Bewegung in A zu einem Intermezzo nach C, welches einem dunklen Glitzern des Mondlichtes gleich eine Passage aus dem Anfang wiederholt, jetzt jedoch strahlend in Dur.
Die gleiche jetzt weniger unerwartete Bewegung in A leitet das eigentliche Thema des ersten von drei Teilen ein. Langsam erhebt sich aus dem leisen und weichen Klängen das Thema in A, gleich den sich lichtenden Nebelschwaden eines Weihers. Die lange steigende Linie gestützt auf eine Perlenkette aus Triolen schwingt sich bis zum hohen E auf, gefolgt von einem erneuten Ausholen, das sich aus dem drei Oktaven tieferen Abgrund nun in B heraufschraubt, im fortissimo mündend abrupt mit größeren Sprüngen im plötzlich einsetzenden piano bei sich potenzierender Spannung den ersten Teil beschließt.
Die Wanderung im Mondlicht setzt sich im zweiten Teil fort. Jetzt jedoch in einer anderen Farbe, ein Thema, das sich in Es-Dur weit über die Klaviatur erstreckt. Ein Dialog zweier Melodielinien entfaltet sich langsam über dem schlichten Bassgerüst. Bereits die Überleitung greift das Tonmaterial sowie Motivik aus dem ersten Teil wieder auf.
Das Finale vereint nun auf wundersame Weise das Thema des ersten Teils in A mit der Harmonik des zweiten Teils (Es) in der linken Hand. Diese Symbiose schafft einen neuen Blickwinkel, der ob der bekannten Bausteine doch vertraut wirkt. Von Triolen getragen versucht sich das Stück harmonisch durch einige raue Gegenden wandernd der Zieltonart D-Dur zu nähern. Zum einen klassisch von A und zum anderen chromatisch von Es. Mit großen Gesten schwingt sich die Linie auf nach A, um nach einem chromatisch abwärts gerichteten Sechstlauf in einem weiten Doppelschluss in D zu enden.
Das Stück für Klavier entstand über den Jahreswechsel 2023 zu 2024.
Live-Mitschnitt des Nocturne op. 3 No.3 aus dem Konzert im März 2024 in der Grieg-Begegnungsstätte Leipzig.
Am Klavier: Iva Zurbo
Gesamtdauer: 05:23min